LANDESVERBAND
SACHSEN–ANHALT
DEUTSCHER KOMPONISTEN e.V.

Geschichte

Die Anfänge

Als im April 1951 in Berlin der Verband Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler gegründet wurde, war der hallesche Komponist Gerhard Wohlgemuth (1920-2001) Gründungsmitglied. Noch vor der Bildung der einzelnen Bezirksdirektionen bemühte sich der neue Verband, das Schaffen seiner Mitglieder öffentlich zu machen. Bereits im Herbst 1952 fanden in Berlin die Zeitgenössischen Musiktage statt, übrigens entgegen aller Vermutung mit einem Konzert zeitgenössischer geistlicher Musik in der Marienkirche zu Berlin.

Sofort nach Bildung der Bezirksdirektion Halle-Magdeburg begann der Vorstand intensiv die Hallischen Musiktage vorzubereiten. Diese fanden dann erstmalig vom 10. - 13. November 1955 in Halle statt. Nebenstehendes Titelblatt des Programmheftes bezeugt die ursprüngliche Schreibweise "hallische".  Bei den Musiktagen ein Jahr später (27. 10. - 2. 11. 1956) wandelte man den Namen in "hallesch" ab, wie die Abbildung bezeugt. Später wechselte man aber wieder zu der ursprünglichen Schreibung über. Man ging wohl davon aus, dass die in entsprechenden Wörterbüchern nazulesen war, dass hallesch auf alle Städte und Orte des Namens Halle angewendet wird, während hallisch (offenbar dialektalen Ursprungs) ausschließlich mit der Stadt Halle an der Saale in Verbindung zu bringen ist.

Zwischen den Hallischen Musiktagen von 1955 und den Halleschen Musiktagen von 1956 gab es noch die Zeitgenössischen Musiktage vom 24. - 28. April 1956, bei denen unter anderem die Kammermusik von von Heinz Röttger in einer Version für Klavier Kontrabaß 3 Pauken und Trommel uraufgeführt wurde, die dem Werk in unserem Konzert nahe steht. Der Einschub dieser Musiktage war offenbar damit in Zusammenhang zu bringen, dass die Halleschen Musiktage im Herbst 1956 wesentlich durch historische Musik angereichert waren und somit sich deutlich von den Hallischen Musiktagen von 1955 unterschieden. Ab 1959/60 wurden dann die Musiktage wieder ausschließlich dem zeitgenössischen Schaffen gewidmet. Unabhängig von den lokalen, durch die Beziksdirektionen veranstalteten Musiktage, veranstaltete der Zentralvorstand des VDK Musiktage in verschiedenen Städten der DDR, die vom Programm her allen Verbandskomponisten offen waren. Eine Kommission war für die Programmgestaltung verantwortlich. Solche Musiktage fanden in Fortsetzung der oben  genannten von 1952 in Berlin noch 1954 in Leipzig und 1955 und 1958 in Weimar.

Die ersten Hallischen Musiktage 1955 bestanden aus zwei Sinfoniekonzerten, einem Volksmusik-Konzert und einem Kammermusik-Konzert. Im ersten Sinfoniekonzert erklangen die Orchesterlieder Doris und Damon von Walter Draeger, das Violinkonzert von Fritz Reuter und von Schostakowitsch die 10. Sinfonie. Unter GMD Horst Tanu-Margraf musizierte das Orchester des Landestheaters Sachsen-Anhalt (heutiges OPERNHAUS Halle). Als Gesangssolitsin wirkte die damals bekannte Sopranistin Philine Fischer. Das zweite Sinfoniekonzert bot Prokofieffs Balett Romeo und Julia im Ausschnitt zweier Sätze, Johann Cilenseks Violinkonzert, ein Ostinato risoluto von Hans-Georg Goerner und die 1. Sinfonie von Gerhard Wohlgemuth. Gestaltet wurde das Konzert vom Staatlichen Sinfonieorchester, Sitz Halle (heutiges Philharmonisches Staatsorchester) unter Leitung von GMD Prof. Werner Gößling. Solist im Violinkonzert war Egon Morbitzer. Nach dem Volksmusik-Konzert, in dem verschiedene Volksliedbearbeitungen erklangen, gab es zu Abschluß ein Kammerkonzert unter der Leitung von Paul Dessau, u. a. mit dessen Melodram "Lilo Hermann". Weiterhin spielteman unterschiedliche Kammermusiken von Gerd Ochs, Fritz Reuter, und Karl Kleinig. Besonderer Höhepunkt war die Verleihung des "Kunstpreises der Stadt Halle an drei Komponisten zum Abschluß der Musiktage. Die Preisträger waren: 1. Preis - Gerhard Wohlgemuth, 2. Preis - Prof. Dr. Walter Draeger und 3. Preis - Prof. Dr. Fritz Reuter.

Die Halleschen Musiktage 1956 waren einerseits wesentlich unbestimmter in der Konzeption, andererseits aber auch wesentlich umfangreicher. Das lag auch an den Jubiläen wie "5 Jahre Komponistenverband" und 10 Jahre Staatliches Sinfonieorchester Halle. Neben der Oper POROS von Händel war Wohlgemuths Oper Till und sein Ballett Provenzialisches Liebeslied als Uraufführung auf dem Programm. Neben den bereits genannten Komponisten kamen Fidelio F. Finke Eberhard Wenzel, Hans Joachim Marx Heinz Wunderlich und andere in insgesamt 8 Konzerten bzw. Opernaufführungen zu Gehör. Bemerkenswert scheint vielleicht auch die enge Verquickung von alter und neuer Musik damals gewesen zu sein. Auch die Händelfestspiele verzeichneten in den 50-er Jahren verstärkt wichtige Konzerte mit zeitgenössischen Werken.

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Die Tradition

Nach 1956 tritt eine längere Pause ein. Erst 1963 werden wieder Hallische Musiktage veranstaltet. Hier allerdings tritt das zeitgenössiche Schaffen wieder deutlicher in den Mittelpunkt der Programmkonzeption. Die Schreibweise wechselt hier wieder von 1956 "Hallesche" in "Hallische", wie es bereit 1955 gehandhabt worden war.

Auf dem Programmheft der Musiktage 1965 findet sich ein erster Hinweis für eine Zählung (III/65). Diese fast wie eine statistische Numerrierung anmutende Aufdruck ist offenbar später eingedruckt worden. Hier beginnt auch die für viele Konzertreihen in denen der Komponistenverband mitwirkt, die Zählung mit römischen Zahlen. Wenn wan 1965 die III. Hallischen Musiktage zählt, dannbeginnt diese Zählung mit den I. Hallischen Musiktagen 1963. Die beiden Musiktage von 1955 und 1956 hat man also in die Zählung nicht mit aufgenommen.

1966 ist dann die Zählung wie auch die Angabe der Jahreszahl obligatorisch auf allen Programmheften zu finden. Das Layout bleibt bei wechselder farblicher Gestaltung bis 1973 (XI. Hallische Musiktage) erhalten. Die inhaltliche Gestaltng der Musiktage konzentriert sich auf Musiker und Ensembles der Region und bringt Werke von Komponisten des Landes-, später Bezirksverbandes zu Gehör. Werke der großen Vorbilder wie Schostakowitsch oder Prokofiew sind häufig zu finden, aber auch Werke von Schönberg oder Webern. Auch Eisler, Dessau, Kochan und anderen DDR-Komponisten stehen häufig auf dem Programm mit teilweise recht anspruchsvollen Werken. Die Pflege der Chormusik bildet mit Chören aus Großbetrieben und besonders auch den der Universität angegliederten Hallenser Madrigalisten oft auch Auftragskompositionen zu Gehör. Die Hallischen Musiktage fanden jährlich im Herbst statt.

Ab 1974 ändert sich das. Die Musiktage werden nun aller zwei Jahre veranstaltet. Das von einem Grafiker namens Liebert gestaltete Layout von 1974, dass in den Folgejahren nicht beibehalten wurde, war offenbar der Veränderung des Roten Turmes geschuldet, der bisher in seiner durch den Zeiten Weltkrieg zerstörten Form abgebildet wurde Abgesehen davon, war die für die siebziger Jahre etwas altertümlich wirkende Schriftgetaltung dringend überholungsbedürftig.

Ab 1976 spricht man offiziell von der "Bezirksbiennale" für neue Musik. Deutlich merkt man jetzt auch den Einfluss der polnischen Avantgarde und die Sehnsucht nach "Darmstdt". Das neue Layout ging einher mit der Veränderung des Formates wieder hin zu A5 hoch, wie es 1955 und 1956 war. Diese Gestaltung wurde bis 1984 beibehalten. Lediglich die Texteindrucke änderte sich.

1986 wurde dann das noch bis 1990 verwendete Layout eingeführt. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahre 1990 musste für die Musiktage ein völlig neues Konzept entwickelt werden. Der Komponistenverband löste sich von der Berliner Zentrale und die ersten Jahre waren nicht besonders reich an verfügbaren Mitteln. Fest angestellte Mitarbeiter konnte sich der Verband nicht leisten. Ab 1991 werden die Musiktage durch leider immer schneller wechselnde ABM bei derVorbereitung und Durchführung unterstützt.

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Heute

Die Hallischen Musiktage zählen heute zu den traditionsreichsten Festivals zeitgenössischer Musik in Deutschland. Sie findet mit jährlich etwa 8 - 12 Konzerten im November statt und bildet damit ein ausgleichendes Gegenstück zu den Händelfestspielen, die jährlich im Juni veranstaltet werden. Seit der Gründung ist der Träger dieses Festivals der Komponistenverband. Das besondere Profil dieses zweitältesten Festivals Neuer Musik in Deutschland unterscheidet sich von anderen Festivals Neuer Musik durch eine sinnvolle Verbindung von Tradition und Moderne. Das Profil der Programmgestaltung verbindet Internationalität mit lokalem Kolorit. Ein besonderes Anliegen ist die Nachwuchsförderung, zum einen auf kompositorischen Gebiet sowie auch als Podium für junge Interpreten Neuer Musik.

Dem halleschen Komponisten Gerd Domhardt (1945-1997) ist es zu verdanken, dass die Musiktage die Wirren der politischen Wende überlebten. Es leitete seit 1989 den Landesverband Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten und war damit zugleich künstlerischer Leiter der Hallischen Musiktage. Sein Verdienst ist die Internationalisierung des Festivals. Bedeutende Komponisten wie Isang Yun, Helmut Lachenmann u. a. holte er nach Halle, sorgte für die Aufführung von Werken bedeutender internationaler Komponisten, die zu DDR-Zeiten weniger aus politischen, sondern oft aus finanziellen Gründen nicht gespielt werden konnten. Aber auch die bestehenden Kontakte nach Osteuropa pflegte Domhardt weiter. Obwohl er bereits 1994 das Zepter an den jüngeren Kollegen Johannes Reiche übergab, war sein Rat im Vorstand immer gefragt. Sein plötzlicher Tod im Februar 1997 hat eine große Betroffenheit ausgelöst. Domhardt war Initiator der bedeutenden Konzertreihe ANNÄHERUNG, deren Konzerte die Musiktage spürbar bereicherten. Leider ist durch die Veränderung der Trägerschaft dieser Konzertreihe, die aus organisatorischen Gründen noch in Domhardts letztem Lebensjahr erfolgte, nach seinem Tod dazu verwendet worden, Eigenständigkeit durch Loslösung von den Wurzeln durchzusetzen. Verbandsinterne Gründe führten dazu, dass Johannes Reiches Amtszeit nur ein Jahr währte. Nach den XXV. Hallischen Musiktagen 1995, die wegen finanzieller Fehlplanungen das Vereinsvermögen ebenso erschütterten wie die Kosten aus den Rechtsstreitigkeiten um das Erbe aus dem Vermächtnis von Frau Gretl Stieber, dem Hans-Stieber-Preis, stand der Komponistenverband als Träger der Hallischen Musiktage vor neuen Herausforderungen. Es ging vorallem um eine inhaltliche Neuorientierung, die von breiterem Publikum angenommen werden sollte.

Seit Dezember 1995 ist der hallesche Komponist Prof. Thomas Buchholz Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt Deutscher Komponisten und damit auch künstlerischer Leiter der Hallischen Musiktage. Seine vordringlichste Aufgabe war neben strukturellen Veränderungen im Verbandsleben eine weitere Entwicklung der Hallischen Musiktage zu begründen. In den Folgejahren gelang es Buchholz die Besucherzahlen von etwa 850 (1995) auf über 3000 (2000) zu steigern. Programmkonzeptionen, die der traditionsreichen Region entsprachen waren dabei die ersten Impulse.

So gab es zunehmend Konzerte mit der Thematik Tradition und Moderne. Das bezog verschiedenste Sichtweisen ein und ging von Mischprogrammen wie dem Konzert "Lutherarkaden" 1996 bis zu Konzerten in denen Neue Musik für alte Instrumente geboten wurde. Die lineare Konzeption mit monothematischer Ausrichtung wich nun einer fächerartigen Konzeption, deren Anspruch die Darstellung der Breite des modernen kompositorischen Schaffens ist. Diese Vielfalt ist zugleich Angebot für die unterschiedlichsten Interessengruppen. Chorkonzerte (auch Kinderchorkonzerte), Kammermusiken, Orchesterkonzerte und große Chorsinfonik wie die Aufführung der War-Requiems von Benjamin Britten zu den XXVIII. Hallischen Musiktagen 1998 mündeten in eine größere Akzeptanz.

Als zu den XXX. Hallischen Musiktagen 2000 ein Konzert mit dem Jerewaner Kammerchor in der Marktkirche mit stehendem Applaus gefeiert wurde, war ein wichtiges Ziel erreicht. Der Ausblick lässt hoffen, dass die Musiktage in ein paar Jahren auch zu einem International beachteten Musikereignis werden können. Buchholz beharrlichem Ringen um die leidigen Finanzierungen ist es zu danken, dass auch die Politik in Sachsen-Anhalt mittlerweile die besondere Bedeutung der Musiktage mit Anerkennung wahrgenommen hat.

In den letzen Jahren hat sich die Attraktivität des Festivals deutlich verbesserb können. Das ist in besonderem Maße der nun aufgelösen Stiftung Kulturfonds zu verdanken, die die Hallischen Musiktage seit 1991 inensiv unterstütz haben.
Im November 2005 begehen die Musiktage ihr 50-jähriges Bestehen.

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50 Jahre HMT

Die Komponisten

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